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Crowdfunding – was ist es, was ist erfolgreich, hat es Zukunft? Kongress in Berlin 25. Oktober

August 8, 2012

Weltweit werden immer mehr Projekte über Crowdfunding finanziert. Was genau ist es?

Die Begriffe ‚Crowdfunding’ oder auch ‚Crowdsourcing’ sind im Sprachgebrauch seit etwa 2006. Es handelt sich hier, kurz gesagt, um ‚Mittelbeschaffung aus der Menge’.

Im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien sind wir alle miteinander vernetzt, und wir alle können innerhalb von Sekunden Meinungen beitragen. Genauso ist es jedoch mit Geld: Wir alle können auch innerhalb von Sekunden, über Kreditkartenzahlungen, Bankeinzug online oder PayPal Gelder beitragen. Wenn jeder Einzelne nur eine kleine Summe gibt, aber viele mitmachen, kommt so in kurzer Zeit sehr viel zusammen. Man denke nur zurück an Karlheinz Böhm und seinen ‚Menschen für Menschen’-Aufruf damals über ‚Wetten dass’. Im Grunde war das damals das erste Crowdfunding-Projekt in Deutschland. Hätte Herr Böhm seinen Aufruf im heutigen Zeitalter der sozialen Medien gemacht, wäre womöglich spontan noch mehr Geld zusammen gekommen.

Beim Crowdfunding geht es also darum, dass viele gemeinsam durch einen kleinen Beitrag von jedem viel bewegen. Gemeinsam formen sie spontan eine ‚Community’, und Projekte erhalten zweckgebunden Kapital. Ein deutsches Wort für Crowdfunding ist – hört sich allerdings weniger attraktiv an – ‚Schwarmfinanzierung’. Der Projektschwerpunkt liegt meist auf künstlerischen und kreativen Projekten. So sind Kategorien wie Design, Kunst, Mode, Musik, Film, Video, Foto, Events, Ausstellungen, Theater sowie Sport häufig vertreten. Das Prinzip eignet sich jedoch genauso gut für soziale Spendenzwecke.

Welches Projekt erfährt zur Zeit die grösste Aufmerksamkeit?

Pepsi Refresh ist sicherlich in aller Munde. Hier stellt das Unternehmen Pepsi die Gelder, und Besucher der Website schlagen Projekte vor und geben ihre Stimmen ab für die Projekte, die Förderung durch Pepsi erhalten sollen. Pepsi Refresh ist jedoch in diesem Sinne kein Crowdfunding, sondern ein Crowdsourcing.

Die erste Crowdfunding-Plattform wurde 2009 in den USA mit Kickstarter.com eingerichtet. Bereits über 10.000 Projekte sind hierüber finanziert worden. Die Initiatoren versuchen meist mit einem Video von sich oder dem Projekt zu überzeugen. Nach dem gleichen Vorbild sind mit indiegogo.com und rockethub.com weitere Crowdfunding-Plattformen online gegangen. Mit pozible.com oder sonicangel.com sind die ersten Länder außerhalb von Amerika mit dem Thema Crowdfunding im Bereich Projektfinanzierung online gegangen. In Deutschland sind seit 2010 die Plattformen Startnext.de, Inkubato.com, mySherpas.com und pling.de vertreten.

Besonders interessant ist das Projekt ‚Diaspora’. Für die Entwicklung einer Internetplattform suchten vier Studenten 10.000 US-Dollar. Mit der Plattform wurde Facebook der Kampf angesagt und angekündigt, ein Pendant zu entwickeln, welches bessere Vorkehrungen im Bereich Datenschutz treffen wird und die Daten seiner Nutzer dezentral immer auf dem eigenen Rechner des Anwenders speichert. Dies fand enormen Zuspruch in der Bevölkerung, die das Projekt gemeinsam mit mehr als 200.000 US-Dollar überfinanziert hat. Unter den menr als 6.000 Spendern befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Interview mit dem Magazin Wired sagte Zuckerberg: “I donated. I think it is a cool idea.”

In Deutschland war 2011 das Startjahr für’s Crowdfunding, und das bis dato größte Projekt in Deutschland startete das Kölner Unternehmen Brainpool im Dezember 2011. Für den geplanten Film zur TV-Serie Stromberg wollte das Unternehmen bis März 2012 eine Million Euro einsammeln. Innerhalb von nur einer Woche war jedoch bereits die eine Million Euro erreicht!

Ist Crowdfunding nur ein momentaner Hype oder wird es eine zukunftsfähige Finanzierungsform?

Da das Engagement von Stakeholdern, das Kreieren, Pflegen und Erhalten von (Kunden-)beziehungen über soziale Netzwerke und generell ‚Open Sourcing’ sowohl von Geldern als auch von Ideen seit Jahren als Trend wachsen, ist davon auszugehen, dass es sich hier absolut nicht um einen momentanen Hype handelt, sondern um zukunftsfähige, gemeinschaftliche Umgangsformen. Dieser Trend folgt der allgemein stärkeren Demokratisierung der Welt durch das Internet und die sozialen Medien. Speziell das Crowdfunding wird an Bedeutung wachsen, da hier auch kleinere, unbekanntere Projekte, wenn sie nur als ausreichend interessant herausragen können, durchaus auf ansehnliche Finanzierungssummen kommen können, ohne auf die öffentliche Hand oder Großsponsoren angewiesen zu sein. Junge Bands z.B. nutzen die Methode erfolgreich, um Geld für die Aufnahme eines ersten Albums zusammen zu bekommen. Benedikt Fuhrmann bekam erfolgreich 50.000 Euro zusammen, um seine Ausstellung ‘Ein Blick Iran. Ein Land, da leben Menschen‘  inklusive Vorträgen und Musikkonzerten in einer katholischen Kirche in Bayern zu realisieren.

Ein Aufruf zum Crowdsourcing oder Crowdfunding ist auch gut für die jeweilige ‚Marke’, gibt ihr entweder erste Bekannheit oder aber neue, frische Energie! Man kann durch das Crowdsourcing/Crowdfunding auch ‚Communities’ kreieren und mit ihnen in Kontakt bleiben bzw. sie emotional beteiligen, da ja die Beitragenden in der Folge auch erfahren möchten, was mit ihrem Beitrag geschieht und welche Wirkung erzielt wird. Hier kann man über das Internet, geschickt gemacht, regelrecht Unterhaltung/’Entertainment’ zum Projekt bieten (z.B. auf Facebook) – oder aber in einem ‚geschützten Bereich’ ausschliesslich Spendern Zugang zu besonderen Informationen geben. Man kann Beitragende auch noch weiter involvieren, im Sinne der ‚open source innovation’, und sie nach ihren Ideen fragen, oder sie durch kostenlose Downloads oder Freikarten dankbar ‚belohnen’. Spender können auch im Abspann eines Films genannt oder zu privaten Lesungen oder einer Vernissage eingeladen werden.

Hier gibt es also endlose Möglichkeiten, Kunden und Stakeholder enger an sich zu binden und Beziehungen zu kreieren. Das Ganze zieht gleichzeitig Kreise, da Teilnehmende in der Regel ihre eigenen Aktionen auch Freunden und Bekannten weiterempfehlen, wodurch ein Schneeballeffekt entsteht. Also auch eine Methode, Kultur, Sport und soziales Engagement weiter zu verbreiten!

Wenn Sie mehr erfahren möchten, kommen Sie zu unserer Session zum Crowdfunding beim Kulturinvest-Kongress am 25. und 26. Oktober in Berlin

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